Vielleicht bin ich einfach zu zart besaitet.
Aber die Art und Weise, wie der SPIEGEL*, genauer die Redakteure René Pfister und Simone Kaiser, ihr Interview mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger führen, finde ich unverschämt, ja dreist.
Selten habe ich ein Interview gelesen, in der mir der Interviewer schon vor der ersten Antwort des Interviewten unsympathisch war.
Herr Ministerpräsident, wie fühlt man sich als Verlierer?
Sagt solch eine Frage nicht schon mehr über Pfister und Kaiser aus, als es das ganze Interview über Oettinger kann?
Künstlich wird eine Konfrontation aufgebaut, die es bei einem streitbaren Politiker wie Oettinger doch wirklich nicht braucht. Warum muss fast jede Frage in einer Unterstellung münden?
Klar muss Journalismus auch konfrontativ sein und unangenehme Fragen stellen. Gerade an konfrontative und unangenehme Personen wie Oettinger. Aber es kommt auch immer auf die Art und Weise an, wie das geschieht. Aber ein solch kindlicher, rotziger Ton – noch dazu wenn er ohne Not aufgegriffen wird – hat in einem solchen Interview nichts zu suchen.
Oettinger nimmt das dreiste Gespräch an - nicht wenige seiner Kollegen hätten es wohl abgebrochen. Inhaltsleer bleibt es allemal, zumal sich Oettinger eher gezwungener Maßen auf das erbärmliche Niveau der SPIEGEL-Redakteure begibt. Floskelintensiv rettet er sich von Porsche-Pleite über Arbeitslosigkeit zum CDU-Wahlprogramm.
Nicht, ohne am Ende selbst noch einmal eine kleine Spitze zu fahren:
Im Übrigen ist jede Leistung steigerungsfähig, sogar die von SPIEGEL-Journalisten.
Wer wird es ihm in diesem Moment verdenken?
*SPIEGEL-Ausgabe Nr. 31








