Menschen. Das ist der Inhalt des Human Project, einem Videoprojekt der jungen kanadischen Produzenten von Receive Bacon.
Menschen. Menschen, die an sich eigentlich recht gewöhnlich sind. Und auch die Geschichten die sie erzählen, sind meistens nichts besonderes: Sie haben Narben, ihren Job verloren oder eine Leiche gefunden. Manchmal sind ihre Anekdoten sogar ein bisschen peinlich.

So it only made sense to me to stop making films about topics but instead make them about just people in general and the weird cool stories that we all have to share but rarely get to document because we simply think they are insignificant.
(Bert McKinley via studio.fu)

Und genau darin steckt das Ungewöhnliche dieser Geschichten.
Nämlich Alltägliches aus einem besonderen Blickwinkel zu zeigen. Dabei ist insbesondere die Nähe gewöhnungsbedürftig, mit der die Kamera an die Menschen herangeht.

the human project – theatrical trailer from the human project on Vimeo.

Besonders wirksam sind dabei zwei Kunstgriffe, die Bert McKinley, Gründer des Human Project, in einem Interview auf studio.fu erklärt.
Zum einen der direkte Blick der Protagonisten in die Kamera:

Making the subject look directly into the lens of the camera while they talked was essential. We wanted it to feel like the viewer was looking the subject in the eyes while the subject tells the story to almost make the viewer uncomfortable.

Dazu kommen immer wieder Momente, in denen die Protagonisten stumm in die Kamera blicken.

We asked for 10 seconds of silence from the subject before and after their answers. This was editing for purposes but also so we could achieve awkward silences after they said something profound. We would also layer other statements over top of the shots of them sitting silently to achieve the effect that the viewer is hearing the subjects inner thoughts and reflections.

Gerade diese “stillen” Sekunden suggerieren dem Zuschauer einen Blick in die Protagonisten hinein, und machen sie auf eine seltsame, fast unangenehm intensive Weise sympathisch. Das wirkt, zugegeben, manchmal etwas überladen, ein wenig zu theatralisch. Doch es stellt eine Verbindung her zwischen dem Zuschauer und den Protagonisten, die in ihren Geschichten nicht selten eine überraschende Offenheit an den Tag legen.

Ergänzt wird das nicht zuletzt auch das Talent der jungen Filmemacher, stets den Blick für interessante, stimmungsvolle und teils ungewöhnlich Bilder zu beweisen:

The Human ProjectThe Human Project
The Human Project
The Human Project

Freilich, das gelingt nicht immer in gleichem Maße. So wirkt es fast schon ein wenig platt, wenn Matty, der bereits eine Nierentransplatationen hinter sich hat, einer Plastikfigur ihre Organe entnimmt.

Trotzdem ist das Human Project ein Beispiel für Videoporträts, die gerade lokale Medien nutzten könnten, um interessante Geschichten gewöhnlicher Menschen zu erzählen. Der Haken dabei: Die Produktion dieser Porträts ist sehr zeitaufwändig. Und das nicht nur wegen der Suche nach geeigneten Protagonisten. Auch der Dreh erfordert zunächst viel Vorbereitung und anschließend eine gehörige Portion spontaner Kreativität – Kriterien, die es vermutlich schwierig machen, ein solches Projekt kostengünstig umzusetzen. Umso erstaunlicher, dass das Human Project offenbar ohne externe finanzielle Mittel auskommt.

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