Sicher kennen Sie diese unausstehlichen Typen. Man trifft sie auf Partys, in der Bar oder im Bus. Sie haben alles schon gesehen, alles schon gemacht und sind dazu noch unglaublich witzig. Sie sind der Mittelpunkt ihres kleinen Universums. Nichts scheint ihnen peinlich zu sein.

Fast nichts. Einer, der selbst diesen Menschen peinlich sein dürfte, hat jetzt eine neue Möglichkeit entdeckt, sich der Welt in all seiner Selbstverliebtheit mitzuteilen. Seit etwas mehr als zwei Wochen bloggt BILD-Chef Kai Diekmann. Und das in einer Selbstgefälligkeit, die ihresgleichen sucht.

Jetzt ist Diekmanns Eitelkeit ja nichts Neues.
Und klar, Kategorien wie 3 Fragen an mich selbst (Untertitel: “Kurze Gespräche mit dem klügsten und einfühlsamsten Menschen, den ich kenne”) sind witzig gemeint. Diekmann kokettiert mit seiner Eitelkeit.

Hahaha.

Selbstverständlich wird dann natürlich auch die Blogstatistik mal eben im Verhältnis zum gesamten Internet gemessen:

Klickzahlen

Screenshot: kaidiekmann.de

Aber es ist gerade die Tatsache, dass Diekmann in allem was er tut, so durchschaubar ist wie ein kleines Kind.

Wenn er sich zum Beispiel in geradezu selbstkarikierender Art und Weise als Watchblogger bemüht. Zurück schlagen will gegen die, die seine BILD so oft und eigentlich nie nicht zu Unrecht kritisierten. Was nicht nur den Kommentatoren merkwürdig vorkommt:

Diekmann findet Fehler. Hört, hört! Liest er eigentlich seine eigene Zeitung? Ok, wäre eine Zumutung, würde aber helfen.

So ein spitzfindiges Genie, dieser Herr Diekmann! Ich bin wahrlich schwer beeindruckt, ganz ehrlich.

Oder wenn er nach ein Interview mit dem Medienmagazin ZAPP edelmütig ankündigt, dass

auch mein Anliegen, das gesamte Interview zu zeigen

beherzigt wurde. Dass ZAPP meines Wissens nämlich alle Interviews veröffentlicht, seine Großzügigkeit in diesem Fall also rein gar nichts Besonderes ist, verschweigt er.

Erstaunlich eigentlich, dass ich Diekmanns Blog trotzdem lese. Vielleicht ist es dieses, den BILD-Lesern wohlbekannte, Gefühl, einfach nicht wegsehen zu können. Gerade weil es so widerlich ist. Und wahrscheinlich auch, weil man sich so wunderbar drüber aufregen kann.

Übrigens hat Diekmann auch – völlig sinnfrei – eine Hand voll Interviewfragen der SZ veröffentlicht (und zeigt dadurch eigentlich nur, dass er nicht in der Lage ist keine Lust hat, diese Fragen spontan am Telefon zu beantworten). Die wohl wesentlichste:

Bleibt es trotz Ihres Erfolges dabei, dass der Blog in 84 Tagen wieder geschlossen wird?

Nachtrag: Hier gibt es übrigens die Diekmann-Kritik bei ZAPP.